Dachdecker-Stundenlohn und Preise: Womit Sie rechnen müssen
„Was kostet bei Ihnen die Stunde?“ ist eine der ersten Fragen am Telefon. Die ehrliche Antwort lautet: zwischen 65 und 95 Euro für einen Gesellen, 85 bis 130 Euro für den Meister – in Berlin, Stand 2026, inklusive Mehrwertsteuer.

Auf einen Blick
Der Stundenverrechnungssatz liegt in Berlin bei 65 bis 95 Euro für Gesellen und 85 bis 130 Euro für Meister.
Als Ihr Dachdecker Berlin begleiten wir Sie durch dieses Thema. Auf diese Zahl folgt fast immer die zweite Frage: Warum so viel, wenn der Geselle doch keine 30 Euro brutto verdient? Die Antwort erklärt, wie ein Handwerksbetrieb kalkuliert – und sie hilft dabei, Angebote richtig zu lesen und ein zu billiges Angebot als das zu erkennen, was es meistens ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stundenverrechnungssatz liegt in Berlin bei 65 bis 95 Euro für Gesellen und 85 bis 130 Euro für Meister.
- Vom Verrechnungssatz kommen etwa 25 bis 35 Prozent als Lohn beim Mitarbeitenden an.
- Anfahrt, Rüstzeit, Entsorgung und Kleinmaterial werden meist separat abgerechnet.
- Bei größeren Arbeiten ist der Festpreis für beide Seiten besser als die Abrechnung nach Aufwand.
- Ein auffällig niedriger Stundensatz deutet oft auf fehlende Versicherung oder Schwarzarbeit hin.
Inhalt
Aktuelle Stundensätze in Berlin
| Qualifikation | Stundenverrechnungssatz |
|---|---|
| Helfer / Auszubildender | 45 – 65 € |
| Geselle | 65 – 95 € |
| Vorarbeiter | 75 – 105 € |
| Meister / Bauleitung | 85 – 130 € |
| Notdiensteinsatz außerhalb der Regelarbeitszeit | Zuschlag 50 – 100 % |
| Wochenend- und Feiertagseinsatz | Zuschlag 75 – 150 % |
Die Werte verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer. Betriebe, die netto ausweisen, liegen entsprechend rund 19 Prozent darunter – ein häufiger Grund, warum zwei Angebote auf den ersten Blick weit auseinanderzuliegen scheinen.
Regional gibt es Unterschiede: In Berlin liegen die Sätze etwas unter dem Niveau von München oder Hamburg, aber deutlich über dem im ländlichen Brandenburg. Wer aus dem Umland anfährt, rechnet die Fahrzeit meist mit ein.
Wie sich der Verrechnungssatz zusammensetzt
Ein Geselle im Dachdeckerhandwerk verdient nach Tarif zwischen 21 und 25 Euro brutto in der Stunde. Bis daraus ein Verrechnungssatz von 80 Euro wird, kommt einiges dazu. Eine typische Aufteilung:
| Bestandteil | Anteil |
|---|---|
| Bruttolohn | ca. 28 % |
| Lohnnebenkosten (Sozialabgaben, Umlagen, Sozialkasse) | ca. 22 % |
| Unproduktive Zeiten (Urlaub, Krankheit, Feiertage, Weiterbildung) | ca. 12 % |
| Fahrzeuge, Werkzeug, Maschinen, Arbeitsschutz | ca. 12 % |
| Verwaltung, Büro, Kalkulation, Buchhaltung | ca. 11 % |
| Versicherungen, Gewährleistungsrücklage, Berufsgenossenschaft | ca. 8 % |
| Gewinn / Risiko | ca. 7 % |
Der Punkt, der am häufigsten übersehen wird, sind die unproduktiven Zeiten. Ein Mitarbeitender ist im Jahr rund 2.080 Stunden angestellt, aber nur etwa 1.550 Stunden auf der Baustelle verrechenbar. Urlaub, Krankheit, Feiertage, Schulungen und Schlechtwettertage müssen über die verrechenbaren Stunden mitfinanziert werden.
Dazu kommt im Dachdeckerhandwerk ein Faktor, den andere Gewerke nicht haben: die Höhe. Absturzsicherung, Gerüstschulungen, PSA gegen Absturz und höhere Beiträge zur Berufsgenossenschaft treiben die Fixkosten. Ein Betrieb, der hier spart, spart an der Sicherheit seiner Leute.
Was zusätzlich berechnet wird
Der Stundensatz deckt die Arbeitszeit am Objekt. Diese Positionen kommen üblicherweise dazu:
- An- und Abfahrt: entweder als Pauschale von 40 bis 90 Euro je Einsatz oder als Fahrzeit zum halben bis vollen Stundensatz. Bei Einsätzen im Berliner Stadtgebiet ist die Pauschale üblich.
- Kleinmaterial: Dichtstoffe, Schrauben, Nägel, Klebebänder – meist als Pauschale von 3 bis 8 Prozent der Lohnsumme.
- Material: Ziegel, Bahnen, Bleche zum Einkaufspreis plus 15 bis 30 Prozent Handlingsaufschlag. Der Aufschlag deckt Beschaffung, Transport, Lagerung und Gewährleistung.
- Entsorgung: nach Menge und Abfallart. Bauschutt ist günstig, teerhaltige Dachpappe und asbesthaltiges Material sind es nicht.
- Hubsteiger oder Gerüst: ab etwa 350 Euro je Tag für einen Steiger, Gerüst nach Fläche und Standzeit.
- Zuschläge: für Arbeiten außerhalb der Regelzeit, im Notdienst und an Wochenenden.
Die Mindestberechnung
Fast alle Betriebe rechnen einen Mindestaufwand ab – üblich sind ein bis zwei Stunden plus Anfahrt. Der Grund: Ein Einsatz bindet Fahrzeug und Mannschaft für einen halben Tag, auch wenn die eigentliche Arbeit zwanzig Minuten dauert. Für eine einzelne verrutschte Pfanne zahlen Sie deshalb selten unter 150 Euro.
Stundenlohn oder Festpreis?
Für planbare Arbeiten ist der Festpreis fast immer die bessere Wahl. Sie wissen, was am Ende auf der Rechnung steht, und das Risiko einer Fehlkalkulation liegt beim Betrieb. Genau deshalb kalkulieren seriöse Anbieter beim Festpreis einen Sicherheitsaufschlag ein – über die gesamte Maßnahme gerechnet ist er trotzdem meist günstiger als die Abrechnung nach Aufwand.
Nach Aufwand abgerechnet wird sinnvollerweise dort, wo sich der Umfang vorher nicht seriös bestimmen lässt:
- Leckortung, wenn die Schadstelle nicht sichtbar ist
- Reparaturen nach Sturm, bei denen der Umfang erst auf dem Dach erkennbar wird
- Öffnung eines Dachaufbaus zur Zustandsprüfung
- Kleinstarbeiten, für die eine Angebotserstellung mehr Aufwand wäre als die Arbeit selbst
Guter Kompromiss bei unklarem Umfang: ein Festpreis für den bekannten Teil und ein vereinbarter Stundensatz für alles, was bei der Öffnung zutage tritt. Dann gibt es hinterher keine Diskussion über die Höhe des Nachtrags.

Was typische Arbeiten kosten
Zur Einordnung einige Richtwerte für kleinere Aufträge in Berlin, jeweils inklusive Anfahrt und Mehrwertsteuer:
| Arbeit | Kosten |
|---|---|
| Einzelne Ziegel austauschen | 150 – 350 € |
| Dachrinne reinigen, Einfamilienhaus | 150 – 320 € |
| Dachrinne abdichten oder Teilstück tauschen | 250 – 700 € |
| Anschlussblech am Schornstein erneuern | 400 – 900 € |
| Dachinspektion mit schriftlichem Bericht | 150 – 400 € |
| Leckortung mit Wärmebildkamera | 250 – 600 € |
| Notabdeckung nach Sturmschaden | 400 – 1.200 € |
| Flachdach: Naht oder Riss abdichten | 300 – 900 € |
Die Spannen wirken groß, hängen aber unmittelbar an der Zugänglichkeit. Ein Ziegeltausch am Reihenhaus in Mariendorf, erreichbar über eine Anlegeleiter, kostet ein Vielfaches weniger als derselbe Handgriff am fünfgeschossigen Vorderhaus in Prenzlauer Berg, wo ein Hubsteiger anrücken muss.
Wenn das Angebot zu billig ist
Ein Stundensatz von 35 Euro ist im Dachdeckerhandwerk nicht erklärbar. Bei diesem Preis bleibt nach Lohn und Sozialabgaben nichts für Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung und Gewährleistung übrig. Wer so kalkuliert, hat in aller Regel eines der folgenden Probleme:
- Keine Betriebshaftpflicht. Fällt ein Werkzeug vom Dach auf ein Auto, zahlen Sie als Auftraggeber mit.
- Nicht angemeldete Beschäftigte. Bei einem Arbeitsunfall auf Ihrem Grundstück kann das für Sie als Bauherr unangenehm werden.
- Kein Meisterbetrieb. Dachdecker ist ein zulassungspflichtiges Handwerk. Ohne Eintragung in die Handwerksrolle darf der Betrieb die Arbeiten gar nicht ausführen.
- Nachträge als Geschäftsmodell. Der Einstiegspreis ist niedrig, die Rechnung am Ende nicht.
- Keine Gewährleistung in der Praxis. Formal gelten fünf Jahre. Der Anspruch nützt nur, wenn es den Betrieb dann noch gibt.
Prüfbar ist das schnell: Eintragung in die Handwerksrolle bei der Handwerkskammer Berlin, Nachweis der Betriebshaftpflicht, Unbedenklichkeitsbescheinigung der Sozialkasse. Ein seriöser Betrieb legt das ohne Nachfrage vor.
Angebote richtig lesen
Beim Vergleich mehrerer Angebote helfen fünf Fragen:
- Netto oder brutto? Der häufigste Grund für scheinbar große Preisunterschiede.
- Sind die Mengen genannt? Quadratmeter, laufende Meter, Stückzahlen. Ohne Mengen ist ein Angebot nicht prüfbar.
- Welche Materialien konkret? „Unterdeckbahn“ sagt nichts, eine Produktbezeichnung schon.
- Was ist bei Nachträgen vereinbart? Ein genannter Stundensatz für unvorhergesehene Arbeiten ist ein gutes Zeichen.
- Wie sind die Zahlungsbedingungen? Abschlagszahlungen nach Baufortschritt sind üblich. Vorkasse über den gesamten Betrag ist es nicht.
Und noch ein praktischer Hinweis: Das günstigste Angebot ist selten das billigste. Wenn eine Position fehlt, taucht sie später als Nachtrag wieder auf – dann allerdings ohne Wettbewerb.
Wie sich die Kosten bei größeren Maßnahmen zusammensetzen, steht in den Ratgebern Dach neu decken – Kosten pro m² und Dachsanierung: Kosten pro m². Eine schnelle Einschätzung liefert der Kostenrechner für die Dachsanierung.
Häufige Fragen
Was kostet eine Dachdeckerstunde?
In Berlin liegt der Stundenverrechnungssatz 2026 bei 65 bis 95 Euro für einen Gesellen und bei 85 bis 130 Euro für einen Meister, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Außerhalb der Regelarbeitszeit und im Notdienst kommen Zuschläge von 50 bis 150 Prozent dazu.
Warum ist der Stundensatz so viel höher als der Lohn?
Vom Verrechnungssatz kommen nur etwa 28 Prozent als Bruttolohn beim Mitarbeitenden an. Der Rest deckt Sozialabgaben, unproduktive Zeiten wie Urlaub und Krankheit, Fahrzeuge und Werkzeug, Verwaltung, Versicherungen und die Rücklage für die fünfjährige Gewährleistung.
Wird die Anfahrt extra berechnet?
In der Regel ja – entweder als Pauschale von 40 bis 90 Euro je Einsatz oder als Fahrzeit zum halben bis vollen Stundensatz. Innerhalb Berlins ist die Pauschale üblich. Bei größeren Aufträgen ist die Anfahrt meist im Festpreis enthalten.
Gibt es eine Mindestberechnung?
Ja, üblich sind ein bis zwei Stunden zuzüglich Anfahrt. Ein Einsatz bindet Fahrzeug und Mannschaft für einen halben Tag, auch wenn die eigentliche Arbeit kurz ist. Für Kleinstarbeiten zahlen Sie deshalb selten unter 150 Euro.
Ist Festpreis oder Abrechnung nach Stunden günstiger?
Bei planbaren Arbeiten ist der Festpreis meist günstiger und immer sicherer – das Kalkulationsrisiko liegt beim Betrieb. Nach Aufwand rechnet man dort ab, wo der Umfang vorher nicht bestimmbar ist, etwa bei einer Leckortung oder nach einem Sturmschaden.
Woran erkenne ich einen seriösen Betrieb?
An der Eintragung in die Handwerksrolle bei der Handwerkskammer, einer nachweisbaren Betriebshaftpflicht, einem Angebot mit konkreten Mengen und Produktbezeichnungen sowie Abschlagszahlungen nach Baufortschritt statt Vorkasse. Ein Stundensatz deutlich unter 60 Euro ist im Dachdeckerhandwerk nicht seriös kalkulierbar.